Der unscheinbare 4. Bürgermeister-Kandidat ;-)

Hier der Artikel als kleines Bild

Und hier der Text mit Korrektur 😉

Bürgermeisterwahl

vierter Kandidat: Der Wähler muss auch mitarbeiten

Klipphausen entscheidet am 30. August darüber, wer der Gemeinde in den kommenden sieben Jahren vorstehen wird.

Quelle: Jan Woitas/dpa

Am 30. August wird ein neues Gemeindeoberhaupt gewählt. Kandidat Dirk Benkstein hat fünf Jahre für die AfD im Gemeinderat gesessen.

Seine Wiederwahl auf einer neuen Liste hat er deutlich verpasst. Sein Wahlkampf ist recht unscheinbar. Warum?

Von Uta Büttner

Klipphausen. Dirk Benkstein ist der vierte Bürgermeisterkandidat in Klipphausen. Der Sachsdorfer betreibt einen ungewöhnlichen Wahlkampf. Wahlplakate sieht man von ihm in der Gemeinde nicht. Warum?

In einem Video in den sozialen Medien erklärt der 58-Jährige, er meine, wenn er dann als Bürgermeister seine Lebenszeit investiere, für die Gemeinde seinen Kopf hinhalte, Tag und Nacht schufte, um die Millionen Schulden abzubauen und gleichzeitig die Entwicklung Klipphausens sicherzustellen, müsse der Wähler auch mitarbeiten. Wenn der Wähler sich auf seiner Webseite nicht informiere und zu den Veranstaltungen nicht komme, dann hätte dieser kein Interesse daran, erklärt Benkstein weiter.

Er betont zudem, dass er auch nicht unbedingt Bürgermeister werden wolle, sein Seelenheil hänge nicht daran. „Ich biete mich als Bürgermeister an, weil ich das Wissen habe, weil ich schon lange in diesem Geschäft bin – nicht Bürgermeister, sondern fürs Recht unterwegs.“

Ein Interview mit der Sächsischen Zeitung kam bislang nicht zustande, weil er sich, wie er mitteilte, noch im Ausland befinde. Beim SZ-Wahlforum am 20. August ab 19 Uhr im Groitzscher Hof wird er vermutlich auch nicht dabei sein, da er sich auf die Einladung bisher noch nicht gemeldet hat.

Vier eigene Wahlveranstaltungstermine sind, beziehungsweise waren vorgesehen.

Querelen mit der AfD – Neue Liste kam beim Wähler nicht an

Dirk Benkstein saß ab 2019 fünf Jahre als Parteiloser für die AfD im Gemeinderat. In dieser Zeit schlossen sich die damaligen drei AfD-Mandatsträger, darunter auch der jetzige Bürgermeisterkandidat Marcel Golz, zur ersten Fraktion in Klipphausen unter dem Namen Bürgernetz-Fraktion zusammen, deren Vorsitzender Benkstein war. Bei den Kommunalwahlen 2024 gründete Benkstein dann mit Bürgernetz 24 eine neue Liste – für die er nun auch als Bürgermeisterkandidat antritt –, nachdem es Ärger mit dem AfD-Kreisverband wegen der Verschiebung der Kandidaten-Aufstellungsversammlung gab, zu der unter anderem er und seine Frau, die damalige Bundestagsabgeordnete Barbara Benkstein, nicht anwesend sein konnten.

Ich biete mich als Bürgermeister an, weil ich das Wissen habe, weil ich schon lange in diesem Geschäft bin – nicht Bürgermeister, sondern fürs Recht unterwegs. (Text aus einem Video entlehnt)

Dirk Benkstein

Bürgermeisterkandidat in Klipphausen

Obwohl Benkstein bei der Kommunalwahl 2024 vermutlich aus taktischen Gründen dafür sorgte, dass ein Kandidat namens Gerold Mann auf der Bürgernetz24-Liste stand, den wahrscheinlich viele Wähler für den Altbürgermeister hielten, konnte seine Liste nur einen Sitz im Gemeinderat erringen.

Mit zehn Kandidaten war man angetreten. Der „falsche“ Gerold Mann bekam dabei mit 396 die meisten Stimmen, gefolgt von Ronny Heeger (287). Benkstein selbst kam auf 84 Stimmen und war damit Fünftplatzierter seiner Liste.

Der Erstplatzierte, Gerold Mann, hatte bereits vor der konstituierenden Gemeinderatssitzung mitgeteilt, dass er aus Alters- und Gesundheitsgründen das Ehrenamt nicht antreten könne.

Trotz der Querelen mit dem AfD-Kreisverband sei Benkstein weiterhin Unterstützer und Wähler der AfD – und zwar seit 2014, was sich nicht ändere. Unter anderem sagt er in einem Video, seiner Meinung nach sei die AfD durchaus demokratisch. Die AfD-Liste in Klipphausen schien jedoch froh zu sein, dass Benkstein nicht auf ihrer Liste im Jahr 2024 stand.

Beim aktuellen Wahlkampf fällt Benkstein vor allem durch Kritik an den anderen Kandidaten auf.

Er selbst sehe sich als geeignet. So habe er – so sagt er es in einem Video – vier abgeschlossene Berufsausbildungen. Als Erstausbildung habe er Installateur Gas/Wasser gelernt. Anfang der 90er Jahre habe er ein Technikerstudium begonnen, welches er nach vier Jahren als Techniker im Bereich Verfahrenstechnik abgeschlossen habe. Sein Hauptaugenmerk habe dabei auf Bau- und Verwaltungsrecht sowie Naturschutz und alternativen Energiequellen gelegen.

Danach habe er als Honorardozent in den Bereichen IT und Kommunikation gearbeitet. Parallel dazu sei er 20 Jahre Prüfer bei der IHK Dresden gewesen. Geprüft habe er dabei IT, Fachinformatik, Systemintegration und Anwendungsentwicklung. Seit 2014 betreibe er ein eigenes Büro für Bürger auf den Gebieten Verwaltungs-, Zivil- und Strafrecht. Wissen in der Kommunalarbeit beziehe er aus verschiedensten Besuchen von Gemeinde- und Stadtratssitzungen hauptsächlich in ostdeutschen Bundesländern.

Vor allem kritisiert Benkstein die Intransparenz seitens der Verwaltung und die hohen Schulden der Gemeinde. Seine – unter anderen – erklärten Ziele als Bürgermeister seien, Steuern und Abgaben sofort zu senken. Zudem möchte er rund um Schulen und Kindergärten alles kostenfrei anbieten, einschließlich Schulmaterial, Mittagessen, Besuche wie Kino, Zirkus, Rummeloder Naturwanderungen. Wie er das finanzieren möchte, dazu war auf seinen Medien bisher nichts zu finden. (Freikarten für unsere Kinder in Zirkus, Rummel, Kino, etc. ? Soetwas erwarte ich vom Bürgermeister selbst bereitgestellt. Das verhandelt man mit dem Anbieter und organisiert soetwas, ohne dass Kosten für den Bürger entstehen. Wie wir Mittel freigeben könne für Steuersenkungen ? Ist diese Frage ernst gemeint ? Sinnfreie Millionen-Projekte stoppen, Windkraftschrott stoppen, Ackerversiegelung stoppen, Knöfel-CDU-Filz ausmisten, Verwaltung verteilen und verkleinern, Bürgergeldempfänger der Gemeinde zur gemeinnützigen Arbeit einteilen, so Kosten sparen. Bauern stärken, Gemeinschaft stärken, Jugend fördern. AfD-Bashing sofort beenden, ordentlich ausgebildete Leute in die Verwaltung und an exponierte Stellen setzen, in der Sache für den Bürger arbeiten alle Gruppierungen und Parteien zusammen. Konkurrenzgerangel beenden.)

Hinweis in eigener Sache: Da Dirk Benkstein bislang nicht für ein Interview zur Verfügung stand, konnte leider kein Foto von ihm für dieses Porträt entstehen.